Ich werde versuchen in diesem Thread Einsteigern den Technischen Aufbau , die Wartung und die Reparatur von S-
AEG
´s zu erklären in der Hoffnung euch allen ein wenig die Angst vor dem Öffnen der Kniften zu nehmen und unnötigen Post´s ein klein wenig vorzubeugen.
1. Basics
2. Gearbox
Internals
3. Tuning
4. Standardmäßige Schwachstellen
5. Vorbereitung / Arbeitsplatz
6. Der Gearjam
» 1. Basics
Airsofts funktionieren nicht durch Zauberei, im Grunde genommen handelt es sich dabei nur um allersimpelste Technik.
Ganz banal betrachtet funktioniert eine AEG
wie eine Spritze beim Arzt. Aufziehen und wieder rausdrücken.
Der Arzt nimmt ein Medikament, zieht seine Spritze auf, sticht zu und presst das Medikament unter leichtem Druck wieder raus.
Wir machen das gleiche, nur eben mit Luft.
Der Motor zieht über die Gears
den Piston
„langsam“ nach hinten, der Cylinder füllt sich mit Luft. Sobald der Piston
die hintere Stellung erreicht hat wird er freigegeben und die Feder
presst den Piston
„schnell“ wieder nach vorne in die Ausgangsstellung. Der Druck der dabei aufgebaut wird treibt die Kugel aus dem Lauf.
So weit die „Basics“
Die Innereien einer Gearbox
haben alle einen Namen, diese Namen zu kennen erleichtert es euch und anderen ungemein bei Technischen Fragen gezielt ein Problem zu lokalisieren und ganz gezielt nach der optimalen Lösungen zu suchen.
2.1 Die Gearboxshell
Es wurden im Laufe der Jahre verschiedene Shells entwickelt. Unterschiedliche Formen und die Anordnung der Bauteile innerhalb der GB, integrierter oder externer Motor.
Je nach „Platzangebot“ innerhalb der Kniften werden diese eingesetzt.
Die überwiegende Mehrheit der Kniften auf dem Markt haben entweder eine Version 2 oder eine Version 3
Gearbox
verbaut.
2.2 Bushings
Als
Bushings
bezeichnet man die Lager der einzelnen
Gears
. Es gibt sie in verschiedenen Durchmessern und Ausführungen. Aus Kunstoff, Stahl oder sogar als Kugellager. Überwiegend werden ab Werk
Bushings
mit 6 oder 7 mm Durchmesser verbaut. Der benötigte Durchmesser wird von der
Shell
bestimmt, soll heißen : In eine
Shell
für 6 mm
Bushings
können keine mit 7 oder 8 mm Durchmesser eingebaut werden.Umgekehrt natürlich auch nicht.
Standard sind bei den meisten Kniften Kunstoffbushings. Ein Austausch gegen Stahlbushings ist dringend zu empfehlen.
Pro / Contra
Kunstoff

sind die leisesten

sind die billigsten

Leiern recht schnell aus und die gesamte Mechanik verschleißt sehr schnell
Kugellager

relativ leise

stabiler als Kunstoff

teuer

verursachen bedingt durch ihre Breite bisweilen Probleme
Stahl

bestes Preis/Leistungsverhältnis

beste Stabilität und geringster Verschleiß

Haber dieselben Maße wie Standard Kunstoff
Bushings

sind lauter als Kunstoff oder Kugellager
2.3 Gears
/ Anti reversal latch
In einer
Gearbox
sind 3
Gears
verbaut.
Das Motorritzel (Pinion Gear) treibt das
Bevel Gear
an. Dieses wirkt auf das Spur Gear welches dann das Sector Gear in Bewegung setzt. Der äussere Zahnkranz des Sector Gear´s zieht dann den
Piston
nach hinten. Das Anti Reversal Latch sorgt dafür das sich die
Gears
nicht rückwärts bewegen können indem es am
Bevel Gear
in die Verzahnung einrastet und das Rückwärtsdrehen blockiert.
Wichtig: An den Anti Reversal Latch gehört eine
Feder
!
2.4Cylinder/ Cylinder Head
/ Piston
/ Piston
Head
Der Cylinder und der
Cylinder Head
bilden den Druckkörper des Systems. Im Cylinder bewegt sich der
Piston
mit dem
Piston
Head vor und zurück und erzeugt so den Druck der benötigt wird um die Balls durch den Lauf zu Pressen. Cylinderheads und Pistonheads gibt es aus Metall oder aus Kunstoff wichtiger als das verwendete Material ist aber, ob sie gut abdichten oder nicht. Bei Pistonheads gibt es noch Variationen mit oder ohne Bohrungen auf der Frontseite und mit Kugellagern oder eben ohne.
Vorzugsweise sollte man welche mit Bohrungen und Kugellagern nehmen sollten diese getauscht werden.
Die Bohrungen sorgen für ein besseres Andrücken des Dichtungsringes an die Cylinderwand, die Kugellager vermeiden die Torsionsbelastung der GB
Shell
die beim Zusammendrücken der
Feder
entstehen.
2.5. Spring
/ Springguide
Springs gibt es in verschiedenen Stärken , der Einbau einer leistungssteigernden
Feder
darf in Deutschland nur von Büchsenmachern durchgeführt werden und erfordert ein neues Beschießen durch das Beschuß Amt, da wegen der Leistungssteigerung das ursprüngliche „F“ verfällt.
Springguides gibt es aus Metall oder aus Plastik, mit oder ohne Kugellager.
Beim Wechsel vorzugsweise zu einem Modell aus Metall mit Kugellagern greifen das dieses haltbarer ist und durch das Lager die Belastung der
Shell
reduziert.
2.6 Tappet Plate
Die
Tappet Plate
ist der träger des Nozzles und regelt die Vereinzelung der Balls aus dem Magazin. Gesteuert wird sie über einen Zapfen am Sector Gear und über eine
Feder
(
Tappet Plate
Spring
) Da auf sie nur sehr geringe Kräfte wirken wir sie fast ausschließlich nur aus Kunstoff hergestellt.
2.7 Nozzle
Das
Nozzle
überträgt die Luft aus dem Cylinder auf die Balls , regelt gesteuert über die
Tappet Plate
die Zuführung der einzelnen Balls in den Lauf und Bildet die Verbindung des Drucksystems der
Gearbox
zum Lauf bzw. der Hop Up Unit.
Diese große Zahl der Aufgaben macht das
Nozzle
zur größten Schwachstelle des
AEG
Systems welche später jedoch noch genauer behandelt wird.
2.8 Trigger / Switch Assembly
Die
Switch Assembly
regelt die Stromversorgung des Motors. Wird der Trigger gedrückt schließt sich der Stromkreis und der Motor beginnt sich zu drehen bis der Kontakt wieder unterbrochen wird. Diese Funktion übernimmt der Cut Off Lever welcher über das Sector Gear angesteuert wird und in einer bestimmten Stellung des
Gears
den Kontakt wieder öffnet und die Stromzufuhr zum Motor wieder unterbricht. . Die Betätigung des COL durch das Sector Gear erfolgt über einen “Nocken” auf der linken Seite des
Gears
. Der COL wird dadurch nach unten gedrückt und hebelt am anderen Ende den Kontaktschieber der Switch Unit aus, wodurch dieser dann vom Trigger abrutscht, wieder nach hinten zieht und der Stromkreis unterbrochen wird.
Bei „Vollauto“ (in D bei S-
AEG
´s verboten) wird der Cut off Lever einfach durch die
Selector Plate
in der oberen Stellung gehalten und somit deaktiviert. Dadurch wird der Kontakt erst dann unterbrochen wenn man den Trigger wieder loslässt
Der
Cut off lever
2.9 Motor /Pinion Gear
Der Motor treibt über das Pinion Gear ( Motorritzel) das
Bevel Gear
an. Je nach Knifte werden verschiedene Typen verwendet.
-Long Type
-Medium Type
-Short Type
Es handelt sich dabei um dieselben Motoren, lediglich die Länge des Motorschaftes variiert und muss zwingend richtig gewählt werden.
Es gibt auch besonderst starke Motoren ( Neodym Motoren) die für Tunings benötigt werden da die Standard Motoren nicht genügend Kraft haben um starke Federn aufzuziehen.
Der beste zur Zeit auf dem Markt ist meines Wissens nach der
Systema
Magnum. Allerdings auch der Teuerste…
Hier nochmal alle Innereien der Gearbox
zusammen.
» 3. Tuning
Das Leistungssteigernde Tuning einer Airsoftknifte darf in Deutschland nur durch einen Büchsenmacher erfolgen und erfordert eine neue Abnahme der Knifte durch das Beschuss Amt .
Aus diesem Grund gehe ich nicht näher auf Leistungssteigerndes Tuning ein. Wer sich mit diesem Thema befassen möchte findet im Internet z.B. bei 700fps und ähnlichen Seiten mehr als genug Informationen zu diesem Thema. Es sollte aber jedem bewusst sein das er sich damit einen ganzen Haufen Ärger einhandeln kann[/color].
» 4. Standardmässige Schwachstellen
Bestimmte Änderungen an der S-AEG
sind allerdings durchaus empfehlenswert, allein schon um potenzielle Schwachstellen auszumerzen und die Zuverlässigkeit und den Verschleiß zu minimieren.
Einige Bauteile der Gearbox
sind je nach Hersteller aus höher- / minderwertigem Material hergestellt um die Herstellungskosten so niedrig wie möglich halten zu können.
1. Bushings
Bushings
aus Kunstoff finden sich bei den meisten neu gekauften Kniften. Sie sind schön billig und halten eine gewisse Zeit auch ganz gut. Vor allem wenn die Knifte wenig geschossen wird. Sobald sie aber ausgeleiert sind steigt der Verschleiß an allen angrenzenden Bauteilen massiv an und nach kürzester Zeit kann man die gesamten GB Teile wegschmeißen. Hier empfiehlt es sich sofort auf Stahlbushings umzusteigen und dieses Problem von vorneherein auszuschließen.
2. Gears
Standard Gears
werden meistens aus Druckguß hergestellt. Die Verwendung von Stahlgears
ist auf jeden Fall ratsam da diese wesentlich höheren Belastungen stand halten.
3. Shimmen
Als Shimmen bezeichnet man das exakte Ausrichten der Gears
innerhalb der Gearbox
. Dazu werden zischen den Gears
und den Bushings
so lange Scheiben beigelegt bis die Gears
zueinander ausgerichtet , spielfrei in der Shell
sitzen.
Hier gibt’s Hilfe:
4. Piston
Standardmäßig aus Plastik mit Zahnreihen aus Plastik. Nur der letzte Zahn ist aus Metall.
Die Kunstoffzähne laufen sehr schnell ein. Wenn das gerade auf einem
Skirm
passiert und man keinen Ersatz dabei hat ist der Tag gelaufen. Ideal sind Pistons aus hartem Kunstoff mit durchgehenden Stahlzähnen. Alupistons sind vergleichsweise Schwer und belasten die
Shell
beim Aufschlag auf den
Cylinder Head
nur unnötig.
5. Shell
Standardshells sind auf
Stock
Internals
und eine begrenzte Lebensdauer ausgelegt. Wenn diese gewechselt wird empfiehlt es sich gleich eine verstärkte
Shell
einzubauen. Deep Fire stellt hervorragende Shells her die auch stärksten Belastungen dauerhaft stand halten.
» 5. Vorbereitung / Arbeitsplatz
Solange man sich beim Schrauben an ein paar einfache Regeln hält kann eigentlich nicht wirklich viel schief gehen. Man muss kein Ingenieur sein um eine GB zerlegen und wieder Zusammensetzen zu können. Ein wenig Vorbereitung und ein ruhiges Plätzchen mit ausreichendem Licht und genügend Platz ist alles was nötig ist. Und Zeit! Nehmt euch Zeit für das Schrauben, Stress verursacht nur Fehler.
1. Überlegt VORHER was ihr genau machen wollt. Sucht euch so viele Informationen wie möglich zusammen wie ihr kriegen könnt BEVOR ihr den Schraubenzieher in die Hand nehmt. Das Internet ist voller Videos und Bilder von dem was euch erwartet wenn ihr die Knifte öffnet. Auf Youtube findet man so ziemlich zu jedem Thema ein Video in dem euch Schritt für Schritt gezeigt wird wie es gemacht wird und worauf man VORHER achten sollte. Eine weitere sehr gute Seite ist :
2. Besorgt euch VORHER soweit möglich alle benötigten Teile die ihr braucht. Je mehr Zeit zwischen dem Zerlegen und dem Zusammensetzen liegt desto höher ist die Gefahr zu vergessen wo was hingehört und wie rum das „verdammte“ Teil jetzt da drin war. Eine Kamera zur Hand zu haben ist ebenfalls sehr empfehlenswert, so kann man während der Arbeit auch mal Erinnerungsfotos schießen die einem beim zusammenbau noch mal zeigen können wo und wie das Teil eingebaut war .
3. Sorgt dafür das eure Arbeitsfläche Sauber ist und ihr keine Platzprobleme haben werdet. Is klar, das Genie beherrscht das Chaos aber beim GB aufmachen ist es tierisch ätzend wenn man jedes Teilchen erst mal in nem Berg anderer Sachen suchen muss und hoffentlich auch wieder findet. Ein paar leere Schachteln und Dosen helfen dabei Teile einzelner Baugruppen getrennt von anderen Teilen aufzubewahren. Eine durchsichtige Plastiktüte in der ihr Teile zerlegt sorgt auch dafür das wegfliegende kleine Federn und Hebelchen nicht verloren gehen.
4. Legt euch anständiges, passendes Werkzeug zurecht. Wenn ihr Schraubenköpfe vernudelt weil ihr falsches / kaputtes Werkzeug benützt steht ihr beim zusammenbauen recht blöd da wenn die Schrauben sich nimmer festziehen lassen. Übrigens.... nach fest kommt ab!
5.
KEINE GEWALT!!!! Wenn’s klemmt stimmt etwas nicht. An der Knifte ist nix dran wo man mit Kraft nachhelfen muss damit es passt. Noch mal aufmachen und den Fehler suchen und abstellen. Wenn ihr „nachhelft“ wenn’s klemmt macht ihr mit ziemlicher Sicherheit was kaputt.
6. Sorgt dafür das ihr Ruhe und Zeit habt. Je weniger Stress ihr euch macht und euch von anderen machen lasst umso besser wird es laufen. Je weniger zwischen rein Quatschen alles besser wissen und euch ablenken umso entspannter und ruhiger könnt ihr euch der Arbeit an eurem Baby widmen..
» 6. Der "Gearjam"
Gleich vorweg, ein Gearjam hat nichts mit verklemmten Gears
zu tun. Ich habe weiter oben den Cut Off Lever beschrieben. Der Gearjam entsteht wenn der Trigger losgelassen wird bevor die Gears
wieder in ihrer normalen Ausgangsposition stehen und der Einzelschuß durch den Cut Off Lever „ordnungsgemäß“ beendet wurde. Im ungünstigsten Fall bleibt der Motor bei falschem Triggern genau dann stehen wenn der COL gerade betätigt ist und der Kontaktschieber der Switch Assembly
vom Trigger getrennt ist, sprich , der Kontakt nicht mehr geschlossen werden kann. Normal müsste man einfach nur auf Full Auto schalten und einmal abdrücken. S-AEG
´s sind von Haus aus für Dauerfeuer ausgelegt. Bedingt durch die Gesetzeslage hier bei uns in D muss diese Funktion deaktiviert sein. Folglich werden wir auch zukünftig nicht von Gearjams verschont werden es sei denn wir verzichten auf schnelles Triggern. Alle anderen Eingriffe in die Gearbox
um das Problem zu umgehen resultieren wieder darin das die Knifte Full Auto fähig wird und somit Illegal ist.
Ok, wie behebt man denn jetzt einen Gearjam?
Die einfachste Methode wäre das umschalten auf Full Auto. In Deutschland scheidet das aus...
Die nächste Möglichkeit besteht darin die Motorpole mit einem Akku
kurzzeitig direkt zu verbinden. Bei einer Version 3 Gearbox
ist das relativ schnell erledigt da der Motor fest mit der Shell
verbunden ist. Bei einer Version 2 muss unbedingt der Motor von Hand fest in das Griffstück der Knifte gedrückt werden während man die Pole mit Strom beaufschlagt. Tut man das nicht ist die Gefahr groß das das Pinion Gear nicht in das Bevel Gear
greift und stattdessen die innenliegenden Kabel der Gearboxelektrik zerfetzt.
Auf andere Möglichkeiten werde ich hier nicht weiter eingehen da diese wieder dazu führen das die Knifte zumindest bedingt wieder Full Auto fähig wäre. Trotz ausgeschnittener Selector Plate
.
Das war’s eigentlich schon fürs erste. Ich werde in den nächsten Tagen noch den Lauf und die Hop Up Unit ergänzen....